28.07.2016

Gründerreport der IHK: Gründungsgeschehen stabil

Leichte Zuwächse im Gesundheits- und Sozialwesen sowie der IKT-Branche, Minus im stationären Einzelhandel

Das Gründungsgeschehen zeigt sich im Bezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg im Vergleich zum Vorjahr stabil. Der Trend rückläufiger Gewerbeanmeldungen der vergangenen Jahre konnte damit vorerst aufgehalten werden, wobei die Anzahl der Gründungen weiterhin äußerst gering ist.

Waren vor zehn Jahren noch über 12.000 Gründungen in Nordhessen und dem Altkreis Marburg auszumachen, sind es im Jahr 2015 lediglich 9055 Unternehmen, die ein Gewerbe angemeldet haben (Gewerbeabmeldungen 2015: 8687). „Die prosperierende Wirtschaft in der Region hat dazu geführt, dass die Gründungsvorhaben zurückgegangen sind, die als Alternative zur Arbeitslosigkeit angedacht waren. Hier hat sicher eine Art Bereinigung stattgefunden. “, sagt Jörg Ludwig Jordan, Präsident der IHK Kassel-Marburg. „Die Beständigkeit der Unternehmenslandschaft zeigt sich auch bei den Gewerbeabmeldungen, die sich auf einem Tiefpunkt befinden, sowie in Anbetracht der seit Jahren rückläufigen Arbeitslosenquoten.“

Einige Branchen unter den IHK-zugehörigen Unternehmen haben besonders mit Gründungsrückgängen zu kämpfen (Gewerbeanmeldungen IHK-Unternehmen 2014: 6955, 2015: 6163). Die größten Verluste verzeichnen der stationäre Einzelhandel (2014: 1847, 2015: 1597) sowie diverse Bereiche der Dienstleistungsbranche (2014: 1982, 2015: 1678). Das Gesundheits- und Sozialwesen sowie die IKT-Branche (Informations- und Kommunikationstechnologien) können im Vergleich zum Vorjahr hingegen leicht zulegen. „Das Gründungsgeschehen passt sich der Nachfrage an. Abnehmende Bevölkerungszahlen auf dem Land sowie ein steigendes Interesse am Onlinehandel machen die Gründung eines stationären Einzelhandelsgeschäfts vielerorts unattraktiv“, erklärt Oliver Stöhr, Gründungsexperte im Bereich Standortpolitik und Unternehmensförderung der IHK Kassel-Marburg. Eine älter werdende Gesellschaft erfordere vermehrt Dienstleistungsangebote im Bereich des Gesundheits- und Sozialwesens. Zudem müssten Unternehmen ihre Prozesse, Produkte und Dienstleistungen weiter digitalisieren, um am Markt bestehen zu können. Stöhr: „Das erforderliche Know-how wird zunehmend auch in der Region gesucht.“
Interessant ist außerdem die Verteilung des Gründungsgeschehens. Während Stadt und Landkreis Kassel ebenso wie der Landkreis Marburg-Biedenkopf bei den Gründungszahlen zulegen, sind in den Landkreisen Waldeck-Frankenberg, Schwalm-Eder-Kreis und Werra-Meißner Rückgänge bei den Gründungen auszumachen. Der Kreis Hersfeld-Rotenburg weist konstante Zahlen gegenüber dem Jahr 2014 auf. „Die Ballungsräume mit den Oberzentren Kassel und Marburg sind aufgrund der vorhandenen Infrastruktur für viele Gründungsvorhaben interessanter“, berichtet Stöhr. „Strukturschwächere Regionen müssen gezielte Maßnahmen einleiten, um für Neugründungen und Unternehmensnachfolgen attraktiv zu bleiben.“

Bei der Rechtsformwahl entschieden sich 81 Prozent der Gründer für ein Einzelunternehmen. Der Frauenanteil unter den regionalen Gründern steigt im Vergleich zum Jahr 2014 um vier Prozentpunkte auf 46 Prozent. Bei der Altersstruktur überwiegen Gründer in der Altersgruppe bis 30 Jahre.

Die IHK berät und unterstützt Jungunternehmer in spe im Verlauf der Gründungsphase mit zahlreichen kostenlosen Angeboten. Annähernd 3000 Personen (Erstberatung: 2005, Folgeberatung: 981) führten im Jahr 2015 ein Gespräch mit einem IHK-Existenzgründungsberater und zeigten sich dabei mit der Beratungsleistung sehr zufrieden. Bei der jährlich durchgeführten Kundenzufriedenheitsumfrage der IHK Kassel-Marburg gaben 93,1 Prozent der Befragten an, dass ihnen das Beratungsgespräch bei der weiteren Entscheidung zum Gründungsvorhaben (sehr) weiter geholfen hat. 96,5 Prozent möchten den IHK-Gründerservice weiterempfehlen. Die Gründungsberater helfen unter anderem beim Erstellen von Businessplänen, beraten zu Fördermitteln oder stellen Brancheninformationen zur Verfügung. Daneben bietet die IHK für Existenzgründer ein großes Veranstaltungsangebot. Stöhr: „Gut vorbereitete Unternehmensgründungen haben eine größere Chance, dauerhaft zu bestehen.“

Den vollständigen Gründerreport finden Sie im Internet unter www.ihk-kassel.de im Newsticker auf der Startseite.  

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg übernimmt als Körperschaft des öffentlichen Rechts hoheitliche Aufgaben, unter anderem in der Aus- und Weiterbildung sowie beim Erstellen von Exportdokumenten. Ferner ist die IHK Dienstleister für Unternehmen, indem sie zum Beispiel kostenlos Rechtsauskünfte erteilt sowie kostenlos Jungunternehmer in spe rund um die Existenzgründung berät. Die IHK steht allen Unternehmen – klein oder groß – in jeder Phase ihrer Existenz mit Rat und Tat zur Seite, von der Gründung über die Krisenberatung bis zur Nachfolge. Außerdem vertritt sie das Gesamtinteresse der regionalen Wirtschaft gegenüber der Politik.