29.05.2017

California vs. Kassel – Impressionen aus dem Silicon-Valley

Der Aufenthalt der Firma Castalytics, die vor einigen Jahren als Ernercast im FiDT gegründet wurde, im German Accelerator in Redwood City mitten im Silicon Valley war Anlass für einen Besuch dort vor Ort. Bei dieser Gelegenheit war auch beabsichtigt, die Strukturen des Silicon-Valley zu analysieren und auf mögliche Konsequenzen für die weitere Entwicklung der Kasseler Gründerunterstützung zu prüfen. Dazu wurden etliche Besuche in Co-Working-Spaces gemacht und intensive Gespräche geführt, die zu einigen Hausaufgaben führen, die nun in der Heimat mit Nachdruck abgearbeitet werden.
Der erste Eindruck der schieren Größe des Silicon-Valley mit seinen vielen weltbekannten Firmen ist in erster Linie überwältigend. Allein die Ausmaße der verschiedenen Firmen-Campi und die Architektur der Gebäude setzen Maßstäbe. Interessanterweise finden sich dazwischen zum Beispiel auch Technologiezentren und Acceleratoren, die nicht direkt auf den Uni-Geländen liegen, sondern einfach im profanen Gewerbegebiet. Allein die Entfernungen, die zwischen den Hot-Spots liegen, sind für unsere Verhältnisse schon sehr erheblich, dort aber eher nebensächlich. Ein Prof der Uni in Berkeley fährt da schon mal die knapp 40 km, um sein 8. StartUp im Accelerator zu etablieren.

Auch das Thema Co-Working ist dort ganz anders besetzt. In einer Shopping-Mall in der Market-Street in San Francisco liegen direkt nebeneinander die Eingänge von Bloomingdales und Bespoke – Konsumtempel neben Co-Working-Area mit ca. 500 m² Fläche und guter Auslastung. Bei genauem Hinsehen stellt man fest, dass in den oberen Stockwerken die Universität von San Francisco Räume angemietet hat. Dieses Nebeneinander von Konsum und Co-Working wird ja auch im HanaHaus in Palo Alto gepflegt. Dieses Haus, das von SAP betrieben wird, vernetzt in der Einkaufsstraße von Palo Alto auf sehr angenehme Art die Standford University und die Wirtschaft im Valley. Natürlich profitiert SAP davon, aber die Offenheit aller dieser Einrichtungen ist auch dort gegeben.

Hauptunterschied zu unseren Verhältnissen ist aber die völlig andere Einstellung der Menschen zum Thema Gründung. Man kommt einfach schneller ins Gespräch und vermutet beim Gesprächspartner nicht gleich einen beabsichtigten Ideenklau. Die Menschen sind einfach offener und kommen schneller auf den Punkt. Und dann wird es auch ganz schnell verbindlich mit einer oft verkannten Intensität der Inhalte.

Wichtig ist mir, dass wir für Kassel wichtige Anregungen für weitere Projekte erhalten haben. Wir sind gerade dabei, diese Projektideen in umsetzbare Strukturen zu kleiden. Ziel ist es, diese andere Arbeitswelt unseren Gründern zu vermitteln und verstärkt Kontakte auch in USA zu suchen, wobei uns ein in Kalifornien ansässiger Kasseler Mehrfachgründer helfen wird. Und dass wir diesen Schulterschluss ins Valley angehen müssen, zeigt mir ein Gespräch mit dem oben erwähnten Berkeley-Prof, der bei der gegenseitigen Vorstellung meinte: „Sie kommen aus Kassel? Da gibt es doch diese Company mit dem Kontowechsel….“ Kassel - Willkommen in der internationalen Welt der StartUps!

Dr. Gerold Kreuter